Serie: Gut gemeint -schlecht gemacht
Erst wachsen lassen - dann Kahlschlag
Eine kurzer Rasen ist für die Artenvielfalt eine ziemliche Wüste. Insekten blei-
ben weg, Vögel finden höchstens Regenwürmer.
Was viele nicht wissen: Noch schlimmer ist es, zunächst Lebensraum zu schaf-
fen und diesen dann samt der Bewohner zu vernichten. Oder anders ausge-
drückt:
Der “mähfreie Mai” wird zum Massaker, wenn die Wiese dann mitsamt den
geladen, zu „schnuddeln“, Spaß zu haben, einfach dabei zu sein!
Tieren geschreddert, gemulcht oder in die Biotonne verfrachtet wird.
Das vernichtet sämtliche Lebewesen, die sich dort aufhalten, inklusive Schmet-
terlingsraupen, Amphibien, Kleinsäugern und Bodenbrütern. “Ein paar Wochen
Wildblumen” mit anschließender Zerstörung bedeutet, dass Tiere erst ange-
lockt und dann getötet werden. Auch die Pflanzen können sich dann nicht aus-
säen für die nächste Saison.
Das gleiche gilt übrigens auch für Wegränder mit Brennnesseln, Holzstapel,
Hecken, Laubhaufen usw:
Oft werden sie gerade dann gemäht und geschreddert, wenn sie voll mit In-
sekten, Raupen und weiteren Kleintieren sind.
Beim Mähen, Abräumen oder gar Verbrennen können diese nicht fliehen. Be-
sonders der Nachwuchs hat keine Chance.
Aber wie mache ich es sinnvoll? Irgendwann muss ich ja mähen!
Gestaffeltes Mähen: Es wird immer nur ein Teil der Wiese gemäht, der Rest
kommt ein paar Wochen später dran. So finden Tiere Rückzugsorte, Wildpflan-
zen können Samen bilden.
Beispiel: Ein Teil wird im Juni/Juli gemäht, der nächste Teil im September/ Ok-
tober. Ein Bereich bleibt bis zum nächsten Jahr ganz stehen. Dort überwintern
Wildbienen, Schmetterlingsraupen und zahlreiche andere Tiere.
Gemäht werden sollte möglichst langsam und mit schonender Technik– etwa
mit Sense oder Balkenmäher statt Mulcher oder Mähroboter. Mulchgeräte zer-
schlagen sämtliche Insekten, Schnecken und Pflanzenreste!
Das Schnittgut muss einige Tage liegen bleiben, damit Samen ausfallen und
Tiere entkommen können. Danach wird es entfernt zur Verhinderung von Fäul-
nis und Überdüngung.
So könnte es aussehen:
Rasenflächen für nackte Füße und spielende Kinder.
Frühe Wiesen, späte Wiesen, “Gestrüpp” und Ruhebereiche für eine lebendige
Artenvielfalt.
So ein Garten tut der Natur und der Seele gut.
